Möglichkeiten für Aufenthalte in Frankreich (DFJW)

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Wer während seines Studiums Zeit in Frankreich verbringen möchte, dem stehen zahlreiche Möglichkeiten offen. Mit unserem Nachbarland bestehen viele Partnerschaften und Kooperationen, die zum Austausch auf kultureller, sozialer oder fachlicher Ebene einladen. Eine mögliche Organisation, die Frankreichaustausch-Interessierte berät und begleitet, ist das „Deutsch-Französische Jugendwerk“ (DFJW).

Marie Kösters, DFJW-Juniorbotschafterin in München, stellt im Interview die Angebote des DFJW vor.

Die Juniorbotschafter/-innen des DFJW stehen in den einzelnen Bundesländern und "régions" als Ansprechpartner/-innen zur Verfügung. Über die Internetseite des DFJW kann man mithilfe einer interaktiven Karte neben den Juniorbotschafter/-innen aber auch eine Liste regionaler Partnerorganisationen abrufen.

Erasmus ist ein sehr bekanntes Austauschprogramm für Studierende. Welche weiteren Austauschmöglichkeiten gibt es, die für Studierende interessant sein könnten?

Marie Kösters: "Anders als die bekannte Erasmus-Förderung im Rahmen eines Auslandsstudiums bietet das DFJW eine breite Vielfalt an Fördermöglichkeiten, die meist unabhängig von einem Hochschulstudium zugänglich sind. Diese Vielfalt bietet eigentlich jedem Studierenden ein individuelles und spannendes Angebot an Projekten und Begegnungen.

Neben neuen Kultur- und Lebensgewohnheiten kann ein Auslandsaufenthalt die beruflichen und fachlichen Kompetenzen erweitern. Für junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren bietet das DFJW beispielsweise Stipendien im Rahmen von Auslandspraktika in Frankreich an. Jedes Praktikum in Frankreich erfordert eine Praktikumsvereinbarung, die normalerweise von Ausbildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt wird. Dies stellt besonders dann ein Problem dar, wenn ein Praktikum vor Studienbeginn, zwischen zwei Studiengängen oder als freiwilliges Praktikum absolviert werden soll und daher die deutsche Hochschule dieses Dokument nicht zur Verfügung stellen kann. Aus diesem Grund stellt das DFJW im Rahmen des Programms PRAXES dieses Dokument für eine Praktikumsdauer von einem bis sechs Monaten zur Verfügung.

Auch Pflichtpraktika in Frankreich von einer Dauer zwischen einem und drei Monaten, die als Bestandteil eines Bachelorstudiums von der deutschen Heimathochschule anerkannt sind, können vom DFJW mit einem Stipendium gefördert werden.

Darüber hinaus bietet das DFJW Studierenden im pädagogischen Bereich zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeiten. Junge Lektor*innen zwischen 20 und 30 Jahren touren im Programm mobiklasse.de für 10 Monate durch Schulen in ganz Frankreich und und motivieren dabei Schüler/-innen zum Erlernen der deutschen Sprache."

Was bietet das DFJW hinsichtlich Jobs und Praktika in Frankreich?

Marie Kösters: "Besonders geeignet zum Berufseinstieg ist beispielsweise das Programm „Job in der Partnerstadt“. Fachübergreifend ermöglicht es eine Unterstützung bei Praktika oder Jobs in der französischen Partnerstadt. Zusätzlich bietet das Programm „Arbeit beim Partner“ eine spezielle Förderung für die Arbeit in Jugendverbänden im Partnerland. Der Deutsch-Französische Freiwilligendienst ermöglicht einen 10 bis 12-monatigen Freiwilligendienst im (Hoch-) Schulbereich, oder in den Bereichen Kultur, Ökologie, Sport und Soziales.

Ein weiterer Bereich der Förderung von angehenden Berufseinsteigern sind individuelle Stipendien im künstlerischen und kulturellen Bereich. Junge Literaturübersetzende erhalten beispielsweise im Rahmen des Georges-Arthur-Goldschmidt-Programms einen Einblick in die deutsch-französische Verlagswelt. Auch junge Journalisten/-innen und Künstler/-innen können Förderungen im deutsch-französischen Kontext erhalten.

Das DFJW bietet zudem für kreative Projektideen und innovative Konzepte eine finanzielle Bezuschussung im Rahmen der „1234-Projekte“ an. Diese Förderung kann Individuen oder Gruppen zugutekommen, die sich im deutsch-französischen Bereich mit einem Projekt engagieren möchten und finanzielle Unterstützung benötigen. Ein besonderes Augenmerk legt das DFJW aktuell auch auf Projekte im Bereich des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit."

Was raten Sie während der Pandemie - sollte ich überhaupt an einem französischen Austauschprogramm teilnehmen? 

Marie Kösters: "Die Corona-Pandemie stellt die Welt der internationalen Mobilität vor eine große Herausforderung. Das Kernkonzept eines interkulturellen Austauschs, das Treffen von fremden Menschen in einem ungewohnten Umfeld, wurde innerhalb weniger Tage nicht nur über Landesgrenzen hinweg, sondern auch innerhalb Deutschlands und Frankreichs unmöglich. Gerade vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen und der Zunahme von nationalistischen Tendenzen ist es wichtig, Offenheit und Gemeinschaft durch kulturellen Austausch zu fördern. Eines meiner prägendsten Erlebnisse des Jahres 2020 war ein Sonntagabend im März am Gare du Nord mit einem Zugticket nach Deutschland und der Erkenntnis, dass sich die französische Grenze hinter mir bis auf unbestimmte Zeit schließen würde. Zudem sind viele Studierende in der aktuellen Situation auf sich alleine gestellt und haben mit Druck und Zukunftsängsten zu kämpfen. Eine Begegnung mit anderen jungen Erwachsenen, auch unabhängig vom Studium, kann hier sehr bestärkend sein.

Glücklicherweise waren die Bemühungen des DFJW, Begegnungen in die digitale Welt zu verlegen, recht schnell erfolgreich. Dies war jedoch auch mit einigen Herausforderungen verbunden, wie beispielsweise bei der Bereitstellung von Simultanübersetzungen. Mittlerweile finden viele Fort- und Weiterbildungen sowie größere Konferenzen und Seminare ohne Schwierigkeiten und größere Sprachbarrieren auch online statt. Wir als Juniorbotschafter/-innen engagieren uns sehr in der Vorbereitung von Online-Begegnungen und von Aktionen in den sozialen Netzwerken des DFJW. Auch physische Begegnungen waren je nach Infektionsgeschehen und landesspezifischen Vorgaben teilweise möglich. Für diese Projekte wurden rechtzeitig passende Hygienekonzepte entwickelt.

Bevor man sich für einen Aufenthalt in Frankreich entscheidet, sollte man sich aber auf jeden Fall über die dortigen Corona-Bestimmungen informieren oder sich bei Fragen zur Umsetzung bestimmter Förderprogramme an die Verantwortlichen vom DFJW wenden."

Wo kann ich mich zu diesen Programmen beraten lassen?

Marie Kösters: "Eine sehr detaillierte Übersicht zu jedem Programm des DFJW mit den entsprechenden Kontaktpersonen findet sich auf dessen Internetseite. Die Programmbeauftragten sprechen Deutsch und Französisch und können bei Fragen gerne kontaktiert werden."

Welche Fragen sollte ich mir stellen, um herauszufinden, welches Austauschprogramm zu mir passt?

Marie Kösters: "Bei der Wahl der passenden Begegnungsform sollte eine Überlegung sein, ob es im Rahmen des Aufenthalts um eine berufliche Weiterbildung, etwa in Form eines Praktikums, oder vor allem um eine interkulturelle Erfahrung geht. Natürlich lassen sich diese Begegnungsformen nicht immer klar voneinander abgrenzen, aber besonders in einer Phase der Umorientierung kann beispielsweise eine interkulturelle Erfahrung sehr bereichernd und prägend sein.

Wichtig ist es auch, sich über die Dauer des gewünschten Programms Gedanken zu machen. Von ein- oder mehrtägigen Begegnungen bis zu einjährigen Aufenthalten bieten sich verschiedene Optionen an. In diesem Zusammenhang sollte man sich auch über den nötigen Planungszeitraum informieren. Die Stipendien im Rahmen der Programme des DFJW erfordern meist eine fristgerechte Beantragung und die Vorlage bestimmter Dokumente. Das DFJW bemüht sich stets darum, vor Projektbeginn auch Informationen zum Alltag in Frankreich zur Verfügung zu stellen, um bei der Orientierung vor Ort zu unterstützen."

Ein Auslandsaufenthalt in Frankreich als Studierender will finanziert werden. Welche Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung bietet das DFJW?

Marie Kösters: "Das DFJW bietet verschiedenen Formen der finanziellen Unterstützung für Auslandsaufenthalte in Frankreich an. In bestimmten Fachbereichen kann man eine Mobilitätsförderung für ein Auslandssemester oder die Teilnahme an Projekten beantragen. Zudem kann man eine finanzielle Unterstützung für ein freiwilliges Auslandspraktikum beantragen, die bei besonderem Bedarf vergeben wird. Bei vielen anderen Mobilitätsprogrammen bietet das DFJW den Teilnehmenden auch Weiterbildungen, Seminare oder Workshops als zusätzliche Unterstützung an, beispielsweise im Rahmen des einjährigen Freiwilligendienstes oder bei Programmen der Partnerorganisationen.

Für Studierende, die eine weitere finanzielle Unterstützung in Anspruch nehmen möchten, bieten sich auch die Programme des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an. Dort können unter anderem Stipendien für Auslandspraktika oder für ein Studium im Ausland beantragt werden.
Zudem fördert die EU im Rahmen des „Erasmus +“-Programms nicht mehr nur Auslandssemester, sondern bemüht sich auch um die finanzielle Unterstützung von Auslandspraktika oder von beruflicher Bildung im Ausland. Hier sind die Erasmus-Beauftragten der Universitäten die richtigen Ansprechpartner/-innen."

Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) begleitet jährlich etwa 190.000 Jugendliche und junge Erwachsene aus Deutschland, Frankreich und in trilateralen Programmen aus einem Drittland beim Austausch. Die jährlich 8.000 Individual- und Gruppenbegegnungen bieten für jede/n die Möglichkeit, die eigenen Sprachkenntnisse zu erweitern sowie sich selbst und das Miteinander in Europa aus einer anderen Perspektive zu erleben.

Weitere Informationen zum DFJW: www.dfjw.org