„Ich wünsche mir mehr Alltagsradler“

Der Sommer kommt und viele Studierende sind wieder mit dem Rad unterwegs. Wie ist die Situation für Alltagsradler/-innen in München, welche Tipps gibt es für radelnde Studierende und wie verändert sich die Mobilität in München? Darüber hat das Studentenwerk München im Sommer 2020 mit Maria Deingruber vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club München (ADFC) gesprochen.

In München studieren aktuell mehr als 131.000 Studierende aus allen Ländern der Welt. Wie schätzen Sie die Mobilitätssituation für sie ein?

An sich empfinde ich die Situation in München als gut. Im Vergleich zu anderen Großstädten wie Berlin ist man in München relativ zügig unterwegs und kommt schnell von A nach B. Der öffentliche Nahverkehr in München gewährleistet ebenfalls, dass die Studierenden schnell vorankommen. Und das Semesterticket stellt sicher, dass die Fortbewegung vergleichsweise günstig ist. Die Lage fürs Rad wird sich mit dem Radentscheid München nochmals stark verbessern.

Für Studierende von außerhalb ist es jedoch gar nicht so einfach, in München das Fahrrad als Verkehrsmittel zu nutzen. Besonders internationale Student/-innen tun sich da schwer. Was sind Ihrer Ansicht nach die Hürden?

Es kommt sicher darauf an, woher man kommt und welche Fahrradkultur in dem Herkunftsland im Alltag gelebt wird. Studierende aus Kopenhagen haben es da einfacher als Studierende aus beispielsweise Dubai. Darüber hinaus braucht man in München schon eine gewisse Orientierung – wenn man nicht weiß, wo was liegt, fällt es einem natürlich schwer, den richtigen Fahrradweg zu nutzen. Die Beschilderung der Radwege ist da teilweise nicht hilfreich. Aber auch das wird künftig ja besser werden.

 

Maria Deingruber ist die sattelerprobte und stellvertretende Vorsitzende des ADFC München. Der ADFC ist ein unabhängiger Verein, der sich für die Förderung des Radverkehrs einsetzt.

 

Gerade wenn man neu in der Stadt ist, weiß man nicht, wo man sein Rad wieder günstig in Schuss bringen kann. Welche Tipps haben Sie für die neuen Radelnden?

In München gibt es schon zahlreiche Angebote, das Rad zu reparieren. Die Stadt München stellt in vielen Stadtvierteln dafür regelmäßig kostenlose Radl-Sicherheitschecks zur Verfügung. Die Informationen dazu finden man auf der Webseite muenchenunterwegs.de. Zudem gibt es viele Werkstätten, in denen man selbst schrauben kann. Meistens sind auch erfahrene Mechaniker vor Ort. Zum Beispiel in unserer Selbsthilfewerkstatt in der Platenstraße 4, die immer donnerstags von 17.00 bis 19.00 Uhr geöffnet ist. Da kostet das Benutzen der Werkstatt nur 10 Euro. Und eine Liste aller Fahrradwerkstätten ist auf der RadWebseite der Stadt München einzusehen.

Während Corona hat sich auch im Verkehr vieles verändert. Andere Städte haben in diesem Zuge beispielsweise Pop-Up-BikeLanes ins Leben gerufen. Wie sieht die Lage in München aus?

Stimmt, mit Corona ist die Anzahl der Radler/- innen in München nochmals sehr stark angestiegen. Viele setzen sich lieber auf das Rad und atmen frische Luft, das ist derzeit einfach sicherer. Die Stadt München trägt dieser Veränderung auch Rechnung und errichtet viele Pop-Up-BikeLanes: beispielsweise in der Zweibrücken- und Rosenheimer Straße, Elisenstraße, Theresienstraße und Gabelsbergerstraße. Dabei werden Spuren, die bisher dem Autoverkehr vorbehalten waren, abmarkiert und zu Radlspuren umgewandelt. Das ist auch notwendig, denn die Zunahme des Radverkehrs nimmt einfach Platz ein. Die neuen Radlwege sollen bis Oktober 2020 getestet werden. Wenn sich das System bewährt, wird über eine permanente Einmarkierung nachgedacht.

Wenn Sie über die Mobilität der Zukunft nachdenken und sich München in 20 Jahren vorstellen, was würden Sie sich wünschen?

Natürlich würde ich mir noch mehr Alltagsradler/innen wünschen. Derzeit nutzen ein Fünftel der Verkehrsteilnehmer das Fahrrad. Wir sollten als Gesellschaft der Zukunft mehr auf nachhaltigen Verkehr wie den öffentlichen Personennahverkehr und das Rad umsteigen, denn das trägt zu einer deutlichen Reduktion der Treibhausgase bei und steigert die Lebensqualität ungemein. Aber fürs Erste bin ich mit dem Radentscheid München schon sehr froh. Da wird sich in der nächsten Zeit sehr viel tun: farblich markierte und baulich getrennte Radwege, eine bessere Routenführung und natürlich der Altstadt-Radlring. Der alleine wird eine echte Verbesserung für die Radfahrenden in München zur Folge haben. Darauf freue ich mich schon sehr.

 

Tipps

Weitere Infos
www.muenchen.de/verkehr/fahrrad

Fahrrad reparieren
Im Bellevue di Monaco in der Müllerstraße 4 kann man jeweils dienstags von 19.30 bis 21.30 Uhr im Radlkeller sein Fahrrad in Schuss bringen.
www.bellevuedimonaco.de/radlkeller

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