„Behalten Sie Ihren BAföG-Bewilligungszeitraum im Auge“

Durch die Corona-Pandemie sind die Studienbedingungen im Sommersemester anders als sonst. Was bedeutet das für BAföG-Empfänger/-innen? Der Leiter des Amts für Ausbildungsförderung des Studentenwerks München, Oliver Leitner, berichtete im Juni 2020 über die Besonderheiten und gab Tipps und Infos.

Das Sommersemester 2020 hat später begonnen als eigentlich vorgesehen. Was müssen BAföG-Empfänger/-innen dabei beachten?

Wichtig ist, dass Studierende den bewilligten Zeitraum des BAföGs im Auge behalten. Der Bewilligungszeitraum passt sich nämlich nicht automatisch an den verschobenen Semesterstart an. Wer auch nach Ende des Sommersemesters BAföG erhalten möchte, muss bis spätestens 31. Juli 2020 den „Weiterleistungsantrag“ beim Amt für Ausbildungsförderung stellen – gerne auch früher.

Eltern vieler Studierender verdienen aufgrund des Coronavirus aktuell weniger Geld. Bedeutet dies mehr BAföG für die jeweiligen Studierenden?

Normalerweise kommt es beim BAföG auf das Einkommen der Eltern im vorletzten Kalenderjahr an. Sinkt deren Einkommen jedoch – beispielsweise aufgrund von Kurzarbeitergeld, Gewinneinbruch oder Arbeitslosigkeit – kann ein Aktualisierungsantrag gestellt werden. Das hat jedoch nicht nur Vorteile. Fällt das Einkommen doch höher aus, kann es eventuell zu einer Rückforderung kommen. Unsere BAföG-Sachbe ar beiter/-innen beraten und informieren die Studierenden gerne telefonisch zu Änderungsanträgen, so dass im Vorfeld alle Fragen individuell geklärt werden können.

Was ist in puncto BAföG zu beachten, wenn der eigene Verdienst momentan geringer ausfällt?

Es lohnt sich, einen Blick auf den BAföG-Bescheid zu werfen. Trifft die dort angegebene Prognose zum eigenen Verdienst noch zu? Die Studierenden können uns gerne Bescheid geben, wenn die Einkünfte auf mehr als 5.400 Euro im Jahr geschätzt wurden und nun darunter liegen. Denn dann fällt die Einkommensanrechnung eventuell weg und die BAföG-Zahlung wird entsprechend angepasst.

 

Oliver Leitner ist Jurist und leitet das Amt für Ausbildungsförderung des Studentenwerks München. Hier ist er für 48 Mitarbeiter/-innen zuständig. Im Jahr 2019 wurden mehr als 8.400 Studierende in München und Umgebung gefördert, die durchschnittlich 543 Euro im Monat BAföG erhielten.

Welche Auswirkungen hat es auf die BAföG-Zahlung, wenn aufgrund der Pandemie Prüfungen oder Leistungsnachweise nicht erbracht werden können?

Fällt eine Abschlussprüfung aufgrund der Corona-Beschränkungen aus oder ist eine Vorbereitung darauf nicht möglich, können Studierende bei uns eine verlängerte Förderung beantragen. In der Corona-Krise ist das kein Problem. Wenn die Hochschule derzeit keine Bescheinigungen ausstellen kann, genügt es, das Amt für Ausbildungsförderung formlos per E-Mail darüber zu benachrichtigen, dass eine Prüfungsleistung nicht erbracht werden konnte. Ebenso beim Leistungsnachweis. Wichtig für alle diejenigen, die den Leistungsnachweis bereits im letzten Semester erbringen konnten: Bis Ende Juli 2020 ist es noch möglich, den Leistungsnachweis mit dem Stand des letzten Wintersemesters einzureichen.

Hinweis Stand Mai 2021: Da auch das Wintersemester 2020/21 und das Sommersemester 2021 vom bayerischen Gesetzgeber als „Pandemie-Semester" gewertet wurden, wird der Zeitpunkt für die Vorlage eines Leistungsnachweises, der im Sommersemester 2020 einzureichen gewesen wäre, pauschal auf die Zeit danach verschoben.

Einige Studierende jobben derzeit in der Landwirtschaft oder im Krankenhaus. Gibt es hier Besonderheiten bezüglich des BAföGs zu beachten?

Ja, wenn es sich um eine Tätigkeit handelt, die zur Pandemiebekämpfung aufgenommen wurde in einem der folgenden Bereiche:

1. In einer oder für eine Gesundheitseinrichtung.

2. In einer oder für eine sonstige soziale Einrichtung zur Unterstützung der Bekämpfung der Pandemie und deren sozialen Folgen.

3. In der Landwirtschaft.*

Dann werden die Einkünfte nur in den Monaten auf das BAföG angerechnet, in denen sie erzielt wurden und während des restlichen Jahres kann eventuell weiteres Geld anrechnungsfrei verdient werden. Die Bundesregierung plant gerade eine günstigere Regelung (WissStudUG). Demnach sollen Einnahmen aus Jobs in systemrelevanten Branchen komplett anrechnungsfrei bleiben, wenn sie im Rahmen der Pandemiebekämpfung erzielt werden.

* Hinweis Stand April 2021: Die Landwirtschaft gehört mittlerweile nicht mehr dazu. Allgemein heiß es jetzt "Systemrelevante Branchen und Berufe". Das jeweilige Einkommen ist inzwischen anrechnungsfrei, im Juni 2020 galt noch eine eingeschränkte Anrechnung.

 

Aktuelle Infos

Die neuesten Entwicklungen zum BAföG finden Sie immer unter:
www.stwm.de/finanzierung/bafoeg-aktuelles

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