Interview mit Maximilian Frank vom Arbeitskreis Mobilität

Bezahlbare Mobilität für junge Menschen in Ausbildung ist ein wichtiger Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Um das zu gewährleisten verhandeln verschiedene Interessensgruppen seit geraumer Zeit die Aufnahme der Studierenden in München für das 365-Euro-Ticket. Den Studierenden steht zwar das Semesterticket zur Verfügung, das aber bedeutend teurer als ein jährliches 365-Euro-Ticket ist. Der Freistaat Bayern hat sich kürzlich aus den Verhandlungen zurück gezogen und verweist auf die bundesweite Einführung eines 365-Euro-Tickets. Maximilian Frank begleitet die Verhandlungen sowohl zum Semesterticket wie auch zum 365 Euro-Ticket seit langem als Koordinator des Arbeitskreises Mobilität der Münchner Studierendenvertretungen, kurz AK Mobilität. Wir haben ihn zur aktuellen Absage des Freistaates befragt.

 

Maximilian Frank ist Koordinator des Arbeitskreises Mobilität der Studierendenvertretungen in München. Der AK Mobilität wurde 2004 gegründet und setzt sich ehrenamtlich für die Verbesserung der Mobilität der Studierenden in der Landeshauptstadt ein. Der AK Mobilität vertritt die Interessen der Studierenden in den Verhandlungen zum Semesterticket und arbeitet aktuell an der Einbeziehung der Studierenden in das 365 Euro-Ticket.

Aktuell gibt es für Studierende in München das Semesterticket. Das wurde erst 2016 etabliert. Wie kam es zur Einführung dieser Lösung?

Das Semesterticket in München schaut auf eine lange Vorgeschichte zurück. Erste Gespräche zwischen dem Studentenwerk und dem MVV gehen sogar bis auf das Jahr 1992 zurück. Richtig los ging es dann mit der Gründung des AK Mobilität der Münchner Studierendenvertretungen 2004. Bis ins Jahr 2012 wurde eine Ticketmodell verhandelt, was in einer Urabstimmung unter den Studierenden befürwortet wurde. Daraufhin folgte auch aufgrund vieler Schwierigkeiten eine Pilotphase von sieben Semestern, bis das Semestertickt 2016 in der Form, wie wir es jetzt kennen, dauerhaft im Tarifangebot des MVV verankert wurde. Auch hierzu gab es eine Urabstimmung unter allen Studierenden, in der über 95 Prozent der Studierenden der Umsetzung als Zweikomponenten-Ticket zugestimmt haben. Mann muss aber auch sagen, dass das Ticket, welches in der Pilotphase mit 50 Euro im Solidarbeitrag und 150 Euro für die IsarCard Semester startete, seitdem stetig teurer geworden ist. Mit insgesamt 281,30 Euro pro Semester müssen die Studierenden mittlerweile wesentlich tiefer in die Taschen greifen.

Können Sie uns kurz erläutern, warum das 365-Euro-Ticket aus Ihrer Sicht so wichtig für die Studierenden in der Hochschulregion München
ist?

Der erste Grund liegt mit dem Preis natürlich auf der Hand. Die Studierenden zahlen auf das Jahr gerechnet 562,60 Euro für ihre Mobilität im MVV und damit fast 200 Euro mehr als Schüler/-innen und Auszubildene, die das 365 Euro-Ticket kaufen dürfen. Das ist schlicht und ergreifend nicht gerecht, alle drei Gruppen befinden sich in einer Ausbildung und sollten daher unterstützt werden. Das ist eine Frage der Bildungsgerechtigkeit. Außerdem ist München, so lebenswert es hier auch ist, eine Stadt mit sehr teuren Lebenshaltungskosten, vom Wohnungsmarkt ganz zu schweigen. Auch ist das Münchener Semesterticket im bundesweiten Vergleich eines der teuersten. Daher ist eine Entlastung bei den ÖPNV-Kosten nur folgerichtig. Natürlich kommt ein preislich attraktiver ÖPNV auch dem Klima zugute. Wenn wir die Verkehrswende ernst nehmen, ist jeder junge Mensch, der sich mit den Öffentlichen fortbewegt und kein Auto in der Stadt verwendet, ein Gewinn.


Die Gespräche zum 365-Euro-Ticket finden mit allen Beteiligten seit langem statt. Was steckt aus Ihrer Sicht hinter der kurzfristigen Absage des Freistaates?

Zuerst muss ich festhalten, dass wir mittlerweile seit zwei Jahren mit dem Freistaat, Politikern/-innen aus dem Landtag und Vertretern der Stadt München zur Finanzierung des 365 Euro-Tickets im Austausch stehen. Hier sollten, genau wie auch beim bestehenden 365 Euro-Ticket für Schüler/-innen und Auszubildende, der Freistaat zwei Drittel der Kosten und die Kommunen ein Drittel übernehmen. Die Gespräche liefen sehr gut und mehrfach wurde uns die Zusage gegeben, dass die Studierenden beim 365 Euro-Ticket als nächstes dran wären und wir uns auf die genannte Aufteilung verlassen könnten. Die genauen Gründe für die Absage müssen Sie beim Verkehrsministerium erfragen, für uns kam die Absage genauso überraschend wie für die Stadt München. Ich vermute, dass man dort – insbesondere vor dem Hintergrund des 9 Euro-Tickets, das ja durch den Bund finanziert wird – ebenso Gelder abgreifen will. Außerdem wissen wir seit einigen Wochen von der Kostenexplosion bei der zweiten Stammstrecke. Gut möglich, dass dann für weniger prestigeträchtige Projekte wie die Unterstützung der Münchner Studierenden weniger Geld da ist.


Seitens des Freistaates wird vorgeschlagen, das 365-Euro-Ticket bundesweit einzuführen. Wäre das nicht von Vorteil für alle Studierenden?

Selbstverständlich wäre dies von Vorteil, wenn es so kommen würde. Ich bleibe da aber skeptisch. Ein bundesweites 365 Euro-Ticket würde mit einem enormen Subventionsbedarf einhergehen, dessen Aufteilung erst langwierig zwischen Bund und Ländern verhandelt werden müsste. Aus unserer Sicht ist klar: Die Studierenden in München benötigen ein 365€-Ticket im MVV und zwar nicht irgendwann in der Zukunft, sondern jetzt.

Welche nächsten Schritte werden unternommen, um das 365-Euro-Ticket doch noch zu ermöglichen?

Am 20.07.2022 haben wir als AK Mobilität zusammen mit dem Studentenwerk München, dem Kreisjugendring München-Stadt, dem Netzwerk Junge Mobilität und allen Fraktionen im Münchner Stadtrat einen offenen Brief an die Bayerische Staatsregierung veröffentlicht. (Der offene Brief ist hier einzusehen. Anm. d. Redaktion). Wir fordern einen Runden Tisch zur Erarbeitung einer tragfähigen Finanzierung und fordern weiterhin ein, dass der Freistaat sich substanziell an den Kosten beteiligt. Mit dem Brief geht ein starkes Signal von München an die bayerische Staatsregierung aus, die Studierenden bei der Finanzierung des 365 Euro-Tickets nicht im Regen stehen zu lassen und bereits gegebene Zusagen einzuhalten.

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